Die Theatergeschichte von Tulfes • 1906 bis 2003


Johann Gabmair
 

 

Am 13. Dezember 1906 erscheint im „Volksvereinsboten“ ein Nachruf auf den Erlerbauern vom Tulferberg, Johann Gabmair, der im 73. Lebensjahr verstorben war. Der Verfasser schreibt unter anderem: „Bis in seine alten Tage war der Erler ein tüchtiger Musiker und besonders gerne als Schauspieler beim Bauerntheater tätig. Viele Jahre waltete er sogar als Theaterdirektor.“ Dieser Zeitungsartikel zeigt, dass bereits vor 1900 in Tulfes eifrig Theater gespielt wurde. Im Jahre 1928 führten die 3 Sänger Adolf Gabmair (ein Sohn des oben erwähnten Johann Gabmair), Josef Triendl aus Rinn und Herr Plankensteiner aus Innsbruck das von Adolf Gabmair komponierte Singspiel „Die fidele Gerichtssitzung“ in der Veranda des Gasthofes Neuwirt in Tulfes auf. Nach dem Widumbrand im Jahre 1930 wurde auf Betreiben des damaligen Pfarrers Alfons Kröß an der Stelle, wo vorher der Stadel stand, ein Theatersaal gebaut und eine Theatergesellschaft gegründet. Die Mitglieder bauten bereits im Herbst 1930 in Eigenregie die Bühne und richteten den Saal ein. Alois Arnold (Huber) zimmerte die Zuschauerbänke. Beihilfen vom Land und der Erlös aus einem Zeltenschießen, das im Saal veranstaltet wurde, bildeten die finanzielle Grundlage. Es wurde das Abkommen getroffen, dass der Pfarrer den Saal zum Theaterspielen zur Verfügung stellen muss.

Pfarrer Alois Kröß, von 1930 bis 1934 in Tulfes.
 

Pfarrer Kröß probte nun mit den Tulfern die ersten Theaterstücke, die im Februar 1931 Premiere hatten: „Der umgestülpte Brauthandel“ – ein Zweiakter- und der Einakter „Der schlaue Michl und die falsche Barbl“. Darsteller waren: Moser Andreas (Geiger), Zeisler Anna (Umer), Flörl Fritz, Spechtenhauser Maria, Zeisler Andreas (Umer), Alt Maria (Bichler), Reichler Franz (Weber) und Tschugg Emma (Kölderer). In diesem ersten Spieljahr kamen die Tulfer Theaterleute mit noch zwei Stücken heraus. In den Pausen unterhielten die Tulfer Tanzmusik, deren Mitglieder meist auch als Schauspieler tätig waren, das Publikum. Nach den Vorstellungen stärkten sich die Schauspieler mit einer Nudelsuppe. Im Jahre 1932 gaben die Tulfer Theaterspieler in St. Ulrich am Pillersee mit dem Schauspiel „Maria Schnee“ ein Gastspiel. 1933 stand unter der Regie von Andreas Moser das bekannte Spiel „Die Räuber vom Glockenhof“ (Milser Fassung) auf dem Programm. Den Räuberhauptmann Hans Gatterer stellte Andreas Zeisler dar. Bis Ende der Dreißigerjahre wurden unter anderem gespielt: „Weltuntergang“, „Jagerbluat“, „’s Trauringl“.


Pfarrer Gottfried Schöpf, in Tulfes 1952 bis 1974

Er starb am 20. August 1974 beim Fischen in der Nähe vom Wiesenhof an den Folgen von Wespenstichen
 

Pfarrer Gottfried Schöpf, der im Jahre 1952 die Pfarre Tulfes–Rinn übernahm, ließ die Theatertradition nach dem 2. Weltkrieg wieder stark aufleben. Er inszenierte vor allem mit der Jugend des Dorfes viele Stücke, teilweise sogar eigene Werke, wie zum Beispiel „Gertraud Angerer“ oder „Ein kleiner Ort mit viel Sonne“. Mit dem dramatischen Stück „Golgotha“ von Hans Renz wagten sich die Tulfer sogar nach Innsbruck, wo sie im Jahre 1954 vor der Wiltener Stiftskirche spielten. Herr Theo Schaller unterstützte den Herrn Pfarrer des öfteren in der Spielleitung. Die von Pfarrer Schöpf organisierten alljährlichen Ausflüge sind den damaligen Spielern sicher noch in bester Erinnerung. Zwischen Ende der 60-er Jahre und 1984 herrschte in Tulfes Theaterpause.
Am 12. Februar
1984 fand im Gasthof Neuwirt die Gründungsversammlung der „Tulfer Dorfbühne“ statt, bei der Willi Ghetta zum Obmann gewählt wurde. Im gleichen Jahr trat der Verein dem Landesverband der Tiroler Volksbühnen bei. Seit der Fertigstellung des Vereinshauses im Jahr 1984 steht den Spielern eine geräumige Bühne und ein Abstellraum im Keller zur Verfügung.

Willi Ghetta, Obmann der Tulfer Dorfbühne von 1984 bis 2005
 

Am Stephanietag des Jahres 1984 stellte sich die neugegründete Theatergruppe von Tulfes mit dem Lustspiel „Thomas auf der Himmelsleiter“ erstmals der Öffentlichkeit vor. Für den Eintritt wurde S 40 (Euro 2,90) verlangt. Die Tulfer Dorfbühne spielte bisher vor allem heitere Stücke, konnte aber auch mit dem Kriminalstück „Die Falle“ und dem Volksstück „Straßenblut“ überzeugen. Obmann Ghetta Willi, der größtenteils auch die Spielleitung innehatte, ließ sich bei Bedarf von erfahrenen Theaterleuten des Tiroler Landesverbandes (Pepi Grießer, Ekkehard Schönwiese) beraten. Für das Bühnenbild, um das die Tulfer von vielen auswärtigen Theaterspielern beneidet werden, zeichneten vor allem Ghetta Willi, sein Sohn Stephan und Arnold Sepp (Kast’n Sepp) verantwortlich. Die Tulfer Dorfbühne bringt ein bis zweimal im Jahr ein neues Stück heraus, das vier- bis fünfmal gespielt wird und das im Schnitt von 700 Personen gesehen wird.


Rolf Parton, Regisseur und Obmann der Freilichtspiele am Glockenhof von 1999 bis 2001
 

1994: Freilichtaufführung „Die Räuber am Glockenhof“ von Rolf Parton nach der Novelle von Josef Praxmarer, aufgeführt am Originalschauplatz im Hinterhof des Glockenhofes in Volderwald. 9.000 Zuschauer waren sowohl von der faszinierenden Kulisse als auch vom hervorragenden Spiel der Tulfer Theaterspieler begeistert. Dank des schönen Wetters konnten 20 Aufführungen über die Bühne gehen. Neben den 40 Spielern waren noch ca. 20 Personen während des ganzen Sommers im Einsatz (Verkaufsstand, Feuerwehr für die Absperrung usw.) Den Räuberhauptmann Hans Gatterer spielte Hoppichler Josef (Tuxer Sepp). Regie: Rolf Parton, ein gebürtiger Wiener Schauspieler und Regisseur und seit 1989 in Tulfes-Gasteig ansässig. Er übernahm die Spielleitung dieses sehr aufwändigen Theaterstückes ehrenamtlich.

1997 wird der Verein „Freilichtspiele am Glockenhof“ gegründet. Ziel dieser Initiative von Bgm. Josef Gatt und Regisseur Rolf Parton war die Wiederbelebung des Glockenhofes als ständiger Spielort. Die Obmannschaft für diesen Verein, der damals völlig form- und zwanglos an einem Biertisch im Gastgarten des Kreuzhäusls gegründet wurde, übernahm Ludwig Baldemair. Im Sommer dieses Jahres wurde die Pfaffin aufgeführt – nach den Räubern 1994 eine der erfolgreichsten Produktionen. Rolf Parton inszenierte dieses Stück nach dem gleichnamigen Roman von Fanny Widmer-Pedit. Völlig neu war auch die Aufführungsart, teilweise Passagen wurden von einem Erzähler gesprochen, andere Stationen der leidgeprüften Emmerenzia Pichler wurden auf Film gebannt und auf eine Leinwand projeziert.

Pepi Grießer. Der Altmeister führte oft Regie in Tulfes
 

1998 standen im Vereinshaus „Die Wahllumpen“ (Tulfer Dorfbühne) auf dem Programm, ein passendes Lustspiel zu den Gemeinderatswahlen in diesem Jahr. Im Sommer wurden am Glockenhof von den Freilichtspielen „Der Hexer“ gespielt, ein Lustspiel aus der Feder und unter der Regie von Rolf Parton.

Die nächste Großproduktion der Tulfer Dorfbühne war
1999 das Stück „Der Judas von Tirol“ (über 1000 Zuschauer), welches zum 15-jährigen Jubiläum unter der Regie von Pepi Grießer aufgeführt wurde. Dazu wurde im Vereinshaus ein besonders beeindruckendes Bühnenbild geschaffen. Im Sommer gastierten dann die Freilichtspiele am Glockenhof mit dem Stück „Liliom“ am Kögelhof in Ampass. Diesem Freilicht-Gastspiel war vor allem wegen des permanenten Schlechtwetters wenig Erfolg beschieden.

Auch im Jahr
2000 spielte sich einiges ab in Tulfes. Die Tulfer Dorfbühne brachte im Mai und Juni „Den irren Theodor“ zur Aufführung, die Freilichtspiele am Glockenhof brillierten im Juli und August mit dem Lustspiel Jeppe vom Berge. Dann trat am Glockenhof eine zweijährige Spielpause ein. In diesem Jahr übernahm Rolf Parton die Obmannschaft des Vereines Freilichtspiele am Glockenhof von Ludwig Baldemair.


Ludwig Baldemair, Obmann der Freilichtspiele 1997 bis 1999
 

Am 14. Jänner 2001 übernahm Johanna Rauch die Obmannschaft der Freilichtspiele am Glockenhof.

Im Vereinshaus gelangten 2001 „Das Prämienkind“ und
2002 „Die drei Eisbären“ durch die Tulfer Dorfbühne zur Aufführung. Im Sommer 2002 fand am Glockenhof das Kulturfest „Ja der Berge“ auf dem Programm. Es beinhaltete eine Lesung von Ernst Grissemann, dazu spielten die Dixielanders mit Franz Posch auf.

Nachdem im Vereinshaus
2003 „Der Narrenzettel“ auf dem Programm stand, fand im Sommer dann am Glockenhof wieder ein Highlight statt. „Die Räuber am Glockenhof“ (Buch und Regie Rolf Parton) wurden mit einer komplett anderen Mannschaft, aber mit dem gleichen Stück wie 1994, aufgeführt. Gottfried Eller löste zum Beispiel Josef Hoppichler ab, der 1994 den Räuberhauptmann gespielt hat. Der Zuschauerzahlen von damals konnten aber nicht erreicht werden. Im Herbst 2003 veranstalteten die Freilichtspiele am Glockenhof wieder ein Kulturfest. Im Rahmen der „Bergtöne“ konnte Otto Schenk für eine Lesung gewonnen werden. Diese Veranstaltung fand im Vereinshaus Tulfes statt.

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